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Auf ein Wort

Warum wir Anteilserhöhungen und keinen Aufnahmestopp brauchen

 

Es ist unbestritten, dass Bau- und Wohnungsgenossenschaften neben kommunalen Wohnungsbaugesellschaften Garanten des sozialen Friedens in Deutschland sind; wie Inseln im Sturm bieten sie Schutz in einem Meer, in dem immer mehr Immobilienhaie auf Raubzug unterwegs sind, weil ihre Opfer immer wehrloser werden. Wer eine der rettenden Insel erreicht hat, kann sich glücklich schätzen, kann er sich doch der Hoffnung hingeben, vielleicht in absehbarer Zeit eine angemessene Behausung zu einem bezahlbaren Preis zu finden. Dieser soziale Frieden kann jedoch nur halten, wenn die, die außen vor – also im Haifischbecken – sind, eine Chance haben, das rettende Ufer zu erreichen. Wird es unerreichbar, so wendet sich das Bild – aus Hoffnung wird Hass und Ablehnung. Tiefe Gräben tun sich auf.

Wenn Genossenschaften mithin einen Aufnahmestopp beschließen, leugnen sie nicht nur ein wesentliches Element ihrer Rechtsform ("Gesellschaft mit offener Mitgliederzah"“ gemäß § 1 Absatz 1 Satz 1 des GenG), sie gefährden auch den sozialen Frieden, denn alle Nichtmitglieder haben keine Chance mehr, ein rettendes Ufer zu erreichen. Und wen soll der Vorstand aufnehmen, wenn sich für eine Wohnung kein Nutzer finden sollte. Am Gerechtesten wäre die Ziehung aus der Lostrommel, denn nur die gewährt gleiche Chancen für alle. Alle anderen Kriterien stehen im Verdacht der Willkürlichkeit, selbst das eines Verwandtschaftsverhältnisses: wo fängt es an, wo hört es auf? Warum soll eine Person, die zufällig einen Onkel in der Genossenschaft hat, einer anderen Person vorgezogen werden?

Auf unseren Bewerberlisten stehen über 620 von rund 5.000 Mitglieder. Etwa 120 davon haben sich für ein Einfamilienhaus eingetragen. Viele Bewerber haben jedoch selbst mit einer zwanzigjährigen Mitgliedschaft kaum eine Chance auf ein Einfamilienhaus, denn jedes Jahr werden regulär nur sechs bis acht Häuser frei. Unter den gegebenen Umständen ist die Zahl der Einfamilienhäuser jedoch nicht beliebig vermehrbar. Einerseits liegt das an den in Berlin nur noch in begrenztem Umfang verfügbaren Grundstücken, andererseits an den dafür nicht vorhandenen Eigenmitteln der Genossenschaft, um damit bezahlbaren Wohnraum für unsere Mitglieder erstellen zu können. Unter den gegebenen Umständen ist zu befürchten, dass wir auch nicht genug Wohnungen für unsere suchenden Mitglieder haben. 58% unserer Mitglieder sind von uns nicht versorgte Mitglieder oder wohnen bereits bei uns und werden sich in den nächsten Jahren voraussichtlich um eine eigene Wohnung bewerben. Rund 1.000 unserer Mitglieder sind unter 25 Jahre alt; 70 davon stehen neben rund 550 anderen als Wohnungssuchende auf jener Bewerberliste. Um diese rund 1.500 aktuellen und potentiellen, jungen Bewerber mit einer Wohnung zu versorgen, werden wir ca. 25 Jahre brauchen, wenn sich die Wohnungssituation in Berlin nicht wesentlich verbessert und die anderen 3.500 Mitglieder in dieser Zeit keinen weiteren Wohnungsbedarf haben. Das ist sehr unwahrscheinlich.

Der Ausweg kann deshalb nur Neubau heißen. Durch Banken finanzierter Neubau wird für die künftigen Nutzer teuer, weil die Banken für das geliehene Geld noch immer Zinsen verlangen. Die Finanzierung durch Geschäftsguthaben oder zinsgünstige Mitgliederdarlehen bietet sich hier als Lösungsweg an.

Ein wesentliches Element einer Mitgliedschaft in einer Genossenschaft ist der genossenschaftliche Solidaritätsgedanke! Das Mitglied, dem ein Haus oder eine Wohnung überlassen wird, profitiert davon, denn das Haus/die Wohnung wurde durch die Gemeinschaft aller Mitglieder finanziert.

Das Mitglied ist bis zum Moment der Überlassung in der Nehmerposition; das Mitglied profitiert von der Stärke der Gemeinschaft. Doch jetzt wendet sich das Blatt. Das Mitglied ist versorgt. Die Solidargemeinschaft weist dem versorgten Mitglied nunmehr die Geberrolle zu. So wie das versorgte Mitglied selbst zum Nutznießer der Solidargemeinschaft wurde, wollen auch Nach­kom­mende und Nachkömmlinge davon profitieren. Diesen die Solidarität zu verweigern, weil das versorgte Mitglied Geld vorübergehend zur Verfügung stellen soll, ist im hohen Grade unsolidarisch und unsozial. Und das ist nur eine milde Umschreibung. Wer von den Vorteilen einer Genossenschaft profitieren will, muss auch zum Geben bereit sein, auch wenn ein Jahresurlaub mal etwas kleiner ausfallen muss.

Deshalb sollte es für jedes Mitglied eine Selbstverständlichkeit sein, weitere Anteile zu zeichnen oder zumindest ein Mitgliederdarlehen zu geben.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein glückliches, erfolgreiches und gesundes Neues Jahr.

 


im Dezember 2018

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Baugenossenschaft "Freie Scholle"
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